Eine typische Szene in der Lodge:

Ich komme zur Tür rein (nicht im Dienst) und Aoife steht an der Rezeption (Sam belagernd), sieht mich und zieht mich zu sich heran:
A: „Sam won’t give me Internet“
Ich: „Well …. “ (unterbrochen)
A: „Uhhhh your hands are so soooft .. wow, you really have soft hands.“
Ich: „Uhm…“
A: „Please Georg, can I have Internet???“ (ohne zu Zahlen..)
Ich: „No, sorry, we …“ (wieder unterbrochen)
A: „For fuck’s sake, I hate you“ (wendet sich ab)
Ich: (lacht)

Es ist 23.20 Uhr, und es kommt mir vor, als ob ich meine Schicht gerade erst angefangen hab (14.30 Uhr war Beginn). Es war einer der krassesten Tage hier in der Lodge, deswegen schiebe ich auch gleich diesen Blogeintrag hinterher. Quasi ein Minutenprotokoll einer Schicht.

Nachdem der Kollege der Frühschicht gegangen war, sah ich, dass er gar keine Abrechnung gemacht hatte. An sich kein Problem, nur lässt sich so später bei Diskrepanzen in der Kasse ein Fehler schwerer finden. Aber ein weiterer Punkt auf Raj’s “müsste ich eigentlich machen, hab ich aber kein Bock zu”-Liste. Er arbeitet seit mehr als einem Jahr hier. Daher kann ich ihn verstehen, dass er hier zu nichts mehr Lust hat. Allerdings ist sein Visum an den Job hier gebunden, er kann also nicht einfach so kündigen. Gut, ein anderes Mal dazu mehr.

Als ich gestern den Blogeintrag schrieb, hörte ich die ganze Zeit ein komisches Geräusch. Es hörte sich wie Taubengurren an, war aber eigentlich zu laut und regelmäßig dafür. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht. Im Zimmer habe ich es aber auch noch gehört und mich nochmals kurz gewundert. Nachts und morgens war das Geräusch immer noch da, und ich habe es auf den Aufzug geschoben, in böser Vorahnung, dass dieser jetzt kaputt sei. Der Aufzug ist aber unschuldig. Der Wassertank oben auf dem Dach war es. Dort stehen drei riesige Tanks. Wie bei einer Toilettenspülung wird der nachgefüllt, wenn so ein Schwimmer nach unten sinkt. Der Tank war eigentlich voll, der Schwimmer wummerte aber immer noch gegen die Decke vom Tank, das war das Geräusch. Gurr Gurr…. Gurr Gurr…. Gurr Gurr. Ben erklärte mir, dass ich den Schwimmer einfach etwas drücken muss, dann hört es auf.

Tat es auch.

Für 10 Minuten.

Im Laufe des Abends beschwerten sich immer mehr Leute über das Geräusch. Sie hätten schon letzte Nacht nicht schlafen können, so geht das doch nicht, tu doch was, bla bla. Ich bin auch wieder nach oben, und hab brav gedrückt, aber mehr kann ich halt nicht machen. Mir wurde vom Management gesagt, das Teil muss bestellt und von einem Klempner ausgetauscht werden. Ich wette hiermit $50 darauf, dass gar kein Klempner angerufen wurde. Nein .. $100, ich wette $100!

Ok, ich muss hier mal zu Potte kommen. Es ist so viel passiert, das wird sonst spät heute.

Warum auch immer, das Hostel ist seit dem 7s (Sevens) Weekend unheimlich busy. Jeden Tag fast vollausgebucht, immer nur ein paar Betten frei. Nun haben wir seit gestern wohl das Problem, dass unser Buchungssystem nicht mehr mit den Buchungswebseiten im Internet reden mag. Eigentlich sind wir schon voll ausgebucht, es kommen aber immer noch Buchungen rein. Sehr blöde Situation. Als ich zur Schicht kam, sagte man mir schon, wir haben zwei Überbuchungen, und man hat schon Hotelzimmer für die Gäste organisiert. (Das Hotel gehört zur gleichen Firma wie das Hostel.)

Soweit so gut. Habe dann im Laufe des Nachmittags Marissa immer wieder dazu gedrängt, doch das Buchungssystem in Ordnung zu bringen. Habe ihr auch die Telefonnummer von der Softwarefirma rausgesucht. Aber sie ist dann einfach gegangen. “Sweet as. Mache ich morgen”. Klar! Mit etwas anderem habe ich auch nicht gerechnet. Resultat der Aktion: Bevor ich online per Hand unsere Verfügbarkeit auf 0 setzen konnte, kamen noch Buchungen für ein Doppelzimmer und ein Apartment (5 Personen, ensuite) rein. Ich habe bei der Buchungsseite (sowas wie booking.com) angerufen und gefragt, ob man das noch stornieren kann. Nein, wenn wir das Zimmer nicht mehr haben, müssen wir dem Gast ein gleichwertiges Zimmer hier in der Nähe suchen. Okaaaay. Aber wenn schon WIR, das Hostel mit den schlechtesten Bewertungen im Netz, voll sind, dann haben die anderen doch schon lange kein Platz mehr. Aber ok, DAS ist nun wirklich das Problem vom Management. Wenn sie einfach abhaut, ohne Sachen endgültig zu klären…. Pech.

Die eine Überbuchung von heute kam dann auch später am Abend.Ich hab ihr den Schlüssel zum Hotelzimmer gegeben, mich 1000 Mal entschuldigt und sie losgeschickt. Sie kam zurück und sagte, sie konnte die Tür nicht aufmachen, sowieso alles Scheiße, und sie will sofort ihr Geld zurück. Sie war dabei aber sehr nett zu mir. Als sie eincheckte und sie meine Probleme mitbekam (Licht in Zimmer 109 geht nicht, Internet geht nicht, Kartenzahlterminal ging nicht, überbucht….) fragte sie noch trocken “Is your job challenging?” ..

Also ok, Geld zurück und das Problem aus der Welt. (Sie kann wohl bei Freunden unterkommen.)

So, was war noch?

Wir verkaufen Internetcodes, mit denen sich Gäste ins WLAN einloggen können. Kaputt. Gäste nicht glücklich darüber.

Eine ältere Dame habe ich ins Zimmer 204 eingecheckt. Sie kam zurück und sagte, die Tür geht nicht auf. Ich bin also mit ihr hoch, und die Batterie im Schloss war leer. Macht kein Mucks mehr. Also wieder runter, den richtigen Schlüssel fürs Schloss (für jedes Schloss haben wir Ersatzschlüssel, meist 2) holen. Aaaber? Er war nicht da. Auf der Putzliste war das Zimmer aber abgehakt, also musste der Schlüssel vorhin noch da gewesen sein. Die Putzfrau angerufen, keinen erreicht. Ohne manuellen Schlüssel und mit leeren Batterien im Schloss kommen wir aber nicht in die Zimmer.

Normalerweise hätte ich der armen Frau ein anderes Zimmer gegeben, aber geht ja nicht. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch 2 Apartments frei. Für die Nacht heute hab ich ihr eins gegeben. Ein massives Upgrade. Sie hat nun ihr eigenes Bad und eine Küche. Morgen muss sie dann leider umziehen. Vorausgesetzt, wir finden den Schlüssel.

Dann hab ich eine andere Gruppe eingecheckt, deren Zimmer war nicht gemacht, obwohl es auf der Putzliste stand. Wie sich herausstelle, gab es einen Grund. Die Heizung leckt, und der ganze Teppich war nass. Da hatten wir zum Glück noch ein 2. Zimmer für die Gruppe frei. Aber, wenn das bekannt war, wieso blockt man dann das Zimmer im System nicht??? Danke Marissa/Frühschicht/Putztrupp. Ach ja, wieso ruft man eigentlich nicht den Klempner? Ist ja nicht so, als ob er hier nichts zu tun hätte (Wassertank, Duschen erster Stock…)

Als ich zwischen 50 Telefonanrufen, Meckern übers Internet, Gurr Gurr-Beschwerden und so weiter mal kurz Zeit hatte, hab ich die Emails gecheckt. Habe noch eine Email von Dienstag (! man bedenke, hier war heute schon Donnerstag) gefunden, die nicht bearbeitet wurde.

Das ganze Büro ist außerdem so vollgestellt, dass man sich kaum bewegen kann.

Zwischendrin kam Aoife (aus Irland) vorbei und hat mich einfach mal grob beleidigt, weil ich ihr kein Schlüssel gegeben hab (sie sah es nicht ein $5 Schlüsselpfand zu zahlen).

Als ich bei Zimmer 212 vorbeikam, fiel mir der penetrante Haschischgeruch auf. Klopf, klopf und verwarnt.

Dann kam mal wieder eine Beschwerde zur Abwechslung. Jemand in einem Einzelzimmer aus dem 3. Stock hat sich 5 Minuten über den Zustand der Toiletten und der kleinen Küche oben im Flur ausgelassen. Vollkommen zu Recht! Von seinen gebuchten 7 Tagen bleibt er nur noch diese Nacht und will das Geld zurück. Ja, sehr gern. Dabei ist unsere Putztruppe doch gerade erst seit dem Wochenende da und hat einen guten Job gemacht, dachten wir. Allerdings kamen noch zwei andere Gäste dazu, die die Vorwürfe bestätigten. Ein Blick in den 3. Stock zeigte ein mäßig schlimmes Badezimmer (aber ich glaube, meine Ansprüche sind schon jenseits von Gut und Böse), aber furchtbare Küchen. Es stank bis auf den Flur. Vor drei Tagen hab ich denen das schon auf die To Do Liste geschrieben. Offensichtlich vergebens.

Zwischendrin noch ein paar Tipps für gute Restaurants abgegeben. Ich hatte auch Positives heute! Die Gäste kamen zurück und haben sich bedankt, es hat ihnen sehr gefallen. The Craftsmen, so heißt der Laden. Hat donnerstags Burger zum halben Preis. Yum!

Ebenfalls zwischendrin noch zig Anfragen, ob wir noch Betten frei hätten. Ob ich nicht in Nelson anrufen kann, um für ein paar Leute etwas zu buchen.Sie sprechen ja nicht so gut Englisch. Haben wir noch Spüli? Der Süßigkeitenautomat geht nicht. Kann ich Xbox spielen? Es fehlt eine Billardkugel. Kann ich meinen Laptop an der Rezeption lassen?Es gibt kein Schließfach im Zimmer??… usw. usw.

Dann kam 109 und meinte, das Licht geht nicht. Wo sind denn die Glühbirnen hin? Der Putztrupp hat sie vom bisherigen Lagerplatz weggeräumt. Eine SMS an Marissa bringt mich weiter. Dann geh ich ins Zimmer, um sie auszutauschen, aber, oh Wunder, die Lampe ist kaputt, und die Fassung dreht sich mit. Zum Glück entdecke ich eine zweite Lampe, mit seperatem Lichtschalter, die noch funktioniert. Gäste froh. Rezeptionist verärgert. Hätten sie ja auch vorher mal gucken können. Aber wie eigentlich? War ja dunkel… Nichts für ungut, sorry!

Was noch? Es war so gegen 22 Uhr als sich fast schon ein Mob aus älteren Gästen vor der Rezeption versammelte und lautstark gegen Gurr Gurr protestierte. Ich hab ihnen ehrlich gesagt, dass ich es nur für ca. 10 Minuten reparieren kann. Verzweiflung und Wut machte sich breit.

Auftritt Nightmanager!

Mein Held! Ich zeigte ihm den Tank auf dem Dach, und er schrie sofort in seinem indischen Akzent “I can fix it!!”. Er hatte das Problem übrigens auch schon gestern Nacht bemerkt, und mit Beschwerden zu kämpfen. Da kannte er die Ursache allerdings noch nicht. Wie er das Problem gelöst hat, verschweige ich an dieser Stelle. Es war nämlich ultrasimpel, und es ist mir peinlich, dass ich nicht selber drauf kam. Zwar kommt durch seine Lösung in naher Zukunft ein anderes Problem auf uns zu, aber wer weiß? Vielleicht war dann der Klempner schon da… Hust hust.

So! Meute besänftigt und ins Bett gebracht. Schicht fast vorbei. Abrechnung gemacht. Nur $2 im Minus (sensationell bei so einer Schicht). Eigentlich kann ich nun ins Bett gehen. Wenn mir der Nachtmanager nicht gesagt hätte, dass er Snoop Dogg aus dem Haschzimmer 212 gestern beim Dealen erwischt hat. Irgendwo gibt es dann doch Grenzen, und ich habe ihm gesagt, dass er morgen auszuziehen hat. Hat er auch relativ zügig akzeptiert. Sein Zimmerkumpane hat noch einen Tag mehr, dann wird er auch nicht mehr verlängert. Hat heute nämlich auch schon arg nach Hasch gestunken. Wir müssen einfach härter durchgreifen. Ich schmeiß jetzt alle sofort raus, die ich erwische. Egal, wie nachgiebig das Management eventuell wäre.

So, nun ist Schluss für heute. Das war eine etwas schlimmere Schicht als sonst, aber wirklich nicht viel.

(Gerade beim Korrekturlesen passiert draußen noch etwas Nerviges. Eine Gruppe Betrunkener geht gröhlend die Straße entlang. Ich denke an die älteren Herrschaften mit dem leichten Schlaf. Uiuiui, armer Nachtmanager.)

So heißt das Hostel, in dem ich in Wellington seit Anfang Dezember arbeite. Auf der Suche nach einem Job habe ich an einem Tag alle Hostels in Wellington abgegrast und meinen CV vorbeigebracht. Gleich am nächsten Tag kam ein Anruf von der Lodge, und ich hatte ein Gespräch mit Marissa, der Managerin. Am nächsten Tag kam dann schon die Zusage, und einen Tag später sollte ich auch schon anfangen. Soweit so gut. Little did I know, what I was getting into…

Kurz vor dem Interview habe ich noch mal einschlägige Seiten im Internet nach Reviews über die Lodge befragt und habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Beim Interview habe ich mich dann etwas umgeschaut und fand das alles doch gar nicht so schlimm. Scheinbar hat man bei der Jobsuche keine funktionierenden Sinne mehr, wie sich später herausstellen sollte. Am Anfang war es auch noch gar nicht so dramatisch.

Eine kurze Beschreibung der Lodge: Sie liegt mitten im Stadtzentrum Wellingtons, 5 Minuten (wenn überhaupt) Fußweg zu den Partymeilen, 10 Minuten zum Supermarkt, Bus zum Bahnhof direkt vor der Tür. Das Hostel hat insgesamt 250 Betten. Aufgeteilt in 2 10-Bett-Zimmer, dann 8-, 6-, 4-Bett Zimmer und jeder Menge Zweibettzimmer. Diese werden auch als Einzelzimmer verkauft. Die Betten im 10er Zimmer haben einen unglaublich günstigen Preis von $18 pro Nacht (sogar nur $15, wenn man Mitglied in Neuseelands Hostelclub ist). Für Wellington (und generell in Neuseeland) ist das richtig günstig.

Ok, hört sich doch alles nicht so schlimm an, mag sich der ein oder andere Leser an dieser Stelle denken. (Dieser Leser hat dann anscheinend noch nicht auf die Links oben geklickt, die zu den Hostelbewertungen führen.) Was ist denn nun so schlimm?

Die Badezimmer
Seit Jahren nicht renoviert, und dank eines gering motivierten Putztrupps auch zu fast jeder Tageszeit in einem gefährlich unhygienischem Zustand. Wenn im ersten Stock zulange geduscht wird, fängt es, an in der Küche zu tropfen. Der Kommentar vom Handwerker auf meine Frage hin, ob man die Duschkabine nicht lieber schließen sollte: “Och ne, das passt schon”. Die Behandlung vom Schimmel in den Badezimmern wurde wohl vor ein paar Monaten mal mit “einfach drüber streichen” als erledigt markiert. Natürlich ist der Schimmel wieder da, und die Farbe blättert schön ab, sodass es immer so aussieht, als ob es in den Badezimmern schneit. Mittags wird übrigens geputzt, aber wenn wir voll ausgebucht sind (was jetzt schon ein paarmal vorkam), merkt man davon schon gegen 18 Uhr nichts mehr.

Die Küche
Heimat von so vielen Fruchtfliegen, dass ein Putzen der Küche schon rein aus Tierschutzgründen nicht mehr möglich ist. Ok, so schlimm ist es nicht. Ja, es gibt Fliegen. Aber nicht immer. Dennoch kann die Küche problemlos mit den Badezimmern um den ersten Platz in der Kategorie “unangenehmster Ort im Hostel” kämpfen. Warum? Die Arbeitsflächen sind gefliest, leider ist die Fläche uneben, was das Arbeiten darauf erschwert. Natürlich sind viele Fliesen gebrochen. Der Sandwichtoaster ist nackt. Also, jeder Anti-Haft-Belag ist jedenfalls davon abgekratzt. Der Toaster lässt sich nur mit Gewichten dazu bringen, seinen Dienst zu verrichten. Ein wildes Sammelsurium aus Tellern, Tassen und Besteck wäre ja noch charmant, wenn nicht immer mindestens ein wichtiges Teil fehlen würde. Töpfe und Pfannen gibt es ja, in jeglichen Zuständen, nur nicht in “funktionierend”. Entweder ist der Griff locker (oder schon ganz ab), der Boden uneben oder diverse Schichten früherer Mahlzeiten sind schon so fest angebrannt, dass sie einfach nicht abgehen. (Seltsamerweise hält das manche Gäste nicht davon ab, sie noch zu benutzen.) Das größte Problem, das die Küche hat, ist aber die Disziplin unserer Gäste. Abwaschen? Ne, ich doch nicht! Dafür hat das Hostel doch die Reinigungskräfte. Ja ok, ich kann alle zwei Stunden mal in die Küche gehen und versuchen, das Chaos zu beseitigen, aber irgendwann ist die Rezeption so beschäftigt, dass ich einfach nicht dazu komme. (Wenn ich es dann mal zwei Stunden nicht in die Küche geschafft habe, kapituliere ich sowieso schon vor der Mammutaufgabe, die man dann schon nicht mehr nur “Abwasch” nennen kann.) Die Spülen (so richtig schön große) sind meist mit Essensresten verstopft, sodass sich eine schöne Brühe sammelt. Also heißt es meist, mit der Bürste bewaffnet, den Arm reinhalten und auf Ausgrabungsexpedition gehen.

Die Zimmer
Der eigentlich positivste Teil im ganzen Haus. Bis auf den muffeligen Teppich. Aber die Betten sind ok, manche Matratzen sind mit harten Federn ausgestattet, aber meist ist es ja eh nur eine Nacht, die die Leute hier schlafen, das halten die schon aus. Klar, in den 10- und 8-Bett-Zimmern ist es eng, aber daran sind die Backpacker gewöhnt. Wir haben drei Stockwerke und sogar einen funktionierenden Aufzug (dafür aber mit sympathischen Macken, manchmal braucht er einen Tritt, um zu funktionieren). Vom ersten Stock kann man ihn gar nicht erst rufen.

(Und nun der Höhepunkt:)
Die Bewohner
Weil das Hostel so viele Einzel-/Zweibettzimmer hat und Backpacker notorisch schlecht bei Kasse sind, um sich pro Nacht $53/$66 leisten zu können, vermietet das Hostel auch an Langzeitgäste. Wellington ist eine recht teure Stadt (auf die Mieten bezogen, ist schließlich die Hauptstadt und nicht besonders groß), und wir sind noch verhältnismäßig günstig. Einige “Longtermer” (Gäste, die länger als einen Monat bleiben) zahlen noch $150 pro Woche für ein Einzelzimmer (ohne eigenes Bad), weil sie schon so lange da sind. Es gibt Longtermer, die schon seit über einem Jahr hier sind. Manche sogar fast schon zwei Jahre. Die Lodge hat nun mal einen gewissen Ruf, und die Longtermer bemühen sich nach Kräften, diesen aufrechtzuerhalten. Der Ruf eines Partyhostels. In Neuseeland ist ja alles etwas lockerer, aber da das Management bisher einen äußerst lockeren Kurs gefahren hat, benehmen sich die Longtermer, wie es ihnen gerade passt. Rauchen im Zimmer? Klar doch! Abwaschen? Ich doch nicht. Laute Musik im Hof? Auf jeden Fall! Haschischkonsum? Von morgens bis abends!

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Eine verschlossene Tür, die den Weg zum Dach versperrt? Wird eingetreten! Ein Tisch aus Massivholz, von mind. 100 Bierflaschen besiedelt, wird umgekippt! Bierflaschen auf dem Boden? Wegkicken! Aschenbecher benutzen? Nein!

Das verwunderlichste: Miete zahlen? Auch: Nein!

Teilweise haben die Leute hier Mietschulden über $1000! Einige machen sich dann aus dem Staub, andere stottern ab. Aber das Management ist einfach zu wohlwollend gewesen. Nach einigen strengen Briefen (und dem ein oder anderen Rauswurf) zahlen jetzt fast alle brav. Eine Woche Rückstand ist jetzt schon die Seltenheit.

Nicht alle Longtermer sind unangenehme Gäste, aber die meisten. Sie benehmen sich unverschämt gegenüber den Mitarbeitern, verhalten sich respektlos gegenüber Backpackern und geben teilweise ein furchtbares Erscheinungsbild ab. Schreien in der Lobby rum, trinken Bier ab 10 Uhr morgens, fläzen sich auf der kompletten Couch und machen sonst nicht viel anderes. Für einige Backpacker ist das schon ein befremdender Anblick.

Die Hälfte der Longtermer hat keinen Job und lebt von der Hilfe von WINZ (Arbeitsamt). Ein paar Härtefälle haben wir auch. Erstaunlich viele haben schon mal für länger ein Gefängnis von innen gesehen oder sie sind für verschiedene Delikte bei der Polizei bekannt. Der Polizei könnten wir fast schon ein Zimmer hier anbieten, so oft, wie die vorbeischauen.

Da wir zentrumsnah sind, kommen manchmal auch Nicht-Bewohner zu Besuch. Unsere Tür ist immer offen und die Rezeption kann bei 250 Betten und ständig wechselnden Gästen auch nicht alle kennen. Die gehen dann wie selbstverständlich ins Hostel, nutzen die Einrichtungen, malen hier und da alles mit Graffiti zu oder richten sich im Feuerausgang häuslich ein.

Die Mitarbeiter
Die Managerin – eigentlich eine nette Person, sehr umgänglich, aber unsagbar vergesslich, inkonsequent und noch viel zu jung. Die Rezeption beherrscht sie super und sie kann auch mit den Gästen gut umgehen – aber sobald es dazu kommt, Geld einzutreiben oder eine wichtige Entscheidung zu fällen oder Regeln (wie “keine Drogen”) durchzusetzen verfällt sie in die neuseelandtypische gleichgültige Lebenseinstellung “sweet as”. Diese Redewendung kommt immer dann zum Einsatz, wenn man etwas bestätigen will oder einem etwas egal ist. Sie verbringt gerne schon mal zwei Stunden ihrer Arbeitszeit damit, ihrem Handy hinterher zu telefonieren. Gerne kommt sie auch mitten in der Nacht nach dem Feiern ins Hostel (sturzbetrunken, mit blutendem Fuß..), um zu arbeiten. Schreibt dann wütende Nachrichten ins Mitteilungsbuch.

Ein anderer Kollege der Rezeption wohnt, wie ich, hier im Hostel und ist mit allen befreundet. Sitzt während seines Dienstes und in seiner Freizeit gerne bei den Gästen, ignoriert das Fehlverhalten der Gäste nicht nur, sondern legitimiert es quasi, da er sich als Mitarbeiter selber genauso verhält (wäscht nicht ab, raucht da, wo es nicht erlaubt ist usw.).

Die einzige Kollegin, mit der ich eine Freundschaft aufgebaut habe, hat nun die Koffer gepackt und fährt mit meinem Auto auf der Südinsel rum, um dann im März in Australien ein Work and Holiday Urlaub anzufangen.

Ich glaube während des Lesens haben sich wohl alle gefragt: Wieso arbeitest du denn noch da? Darauf könnte ich antworten: Nun ja, diese Stelle trainiert mich in vielen Bereichen:
Kundenservice
Diplomatie
Sozialarbeit
Erste Hilfe
Multi-Tasking (2 Telefone, 20 Gäste und ein kaputter Computer)

und nicht zuletzt bezahlen sie mir Gehalt, und ich kann zu einem vergünstigten Preis in meinem eigenen Zimmer wohnen.

Aber ich könnte genauso antworten: Ich weiß es nicht.
Ein Working Holiday Jahr sollte eigentlich Spaß machen. Mir macht der Job hier auch Spaß! Allerdings überwiegt der stressige Teil doch meist deutlich. Nun ja, ich bleibe hier erst einmal bis Mitte März, dann fliege ich nämlich für eine Woche nach Australien (an dieser Stelle ein kleines JIIIIPPPPPIIIIIEEEEEEEEEHHHHHH!) Naja, hauptsächlich bleibe ich hier, weil der Job sicher ist und es in Neuseeland doch relativ schwer ist, Arbeit zu finden. Das kann sich natürlich alles schnell ändern, aber aktiv nach einem anderen Job (in Neuseeland oder sonstwo) suche ich erst nach dem Australien Urlaub.

Ein weiterer Grund hier nicht aufzuhören: der Blog. Man erlebt hier so viele, fast schon unglaubliche Stories, die ich euch nicht länger vorenthalten will. Wir hätten da Bert, den schizophrenen Briten, der seiner Meinung nach beim britischen Geheimdienst arbeitet und der zuverlässige Quellen habe, dass etwas Schlimmes bei der Lodge passieren würde. Anja, die Kanadierin, die mit ihrem 7-jährigen Sohn für einen Mann nach Neuseeland kam, vor dem sie nach nicht mal einer Woche schon wieder geflohen ist – danach wollte sie ihr Gepäck unter meinem Bett lagern, für unbestimmte Zeit. Obaid, der junge Däne, der aussieht wie ein Araber, aber in London aufwuchs und nun die permanente Aufenthaltsgenehmigung in Neuseeland hat, zeichnet sich durch Goldzahn und die Vorliebe, auf andere Gäste loszugehen aus. Außerdem hat quasi jeder unserer Longtermer, eine Geschichte zu liefern….

Das alles in den nächsten Wochen hier!

Zum Abschluss noch ein Zitat von meiner Kollegin, die jetzt gerade auf der Südinsel rumfährt, als Antwort auf die Frage, warum sie denn ihren Job in der Lodge gekündigt hat:

“My boss is a 22 year old idiot, the place is one strong gust of wind from falling apart, the owner is a douchey slumlord who wears snakeskin boots and sunglasses inside, the guests are drunks who have molested me physically and made obscene suggestions to me on the job…. there’s way more, but I think that’s enough for now. Plus, I want to travel more”

Einmal im Jahr findet in Wellington ein Rugby Festival statt, das Sevens. Der Name kommt daher, dass es ein 7-a-side Rugby Tournament ist. Wellington befindet sich in der Zeit im Ausnahmezustand. Courtenay Place wird abgesperrt (dort fand auch schon die Hobbit Premiere statt) und es wird ein Wochenende lang gefeiert. Es ist ausserdem auch ein Wetteifern, wer das ausgefallenste Kostüm hat. Im Hostel war das Wochenende nicht ganz so angenehm, geprägt von ausufernden Parties usw. aber Spaß hat das Wochenende schon gemacht!

Hier eine kleine Auswahl der Kostüme unserer Gäste:

Von Christchurch mit dem TranzAlpine über die Berge bis nach Greymouth und zurück nach Christchurch. Von dort dann nach Akaroa und dann in den Süden, bis Invercargill.

Ein entspannter zweiter Weihnachtsfeiertag am Kenepuru Sound. Dazu Kaffee und Reiseführer, um einen Inselrundtrip Ende Januar zu planen….

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Tasman Bay

Heute haben wir einen Tagesausflug zur Nordspitze der Südinsel gemacht. Eine absolut unpassende Aktivität für einen ersten Weihnachtsfeiertag, aber was bleibt einem bei knapp 30°C und Sonne denn auch anderes übrig…

Es war eine sehr schöne Strecke, durch die Ausläufer der Alpen hier auf der Südinsel. Aber das Auto hat es problemlos gemeistert. Nach den Serpentinen ging es immer wieder mal durch ein ebenes Tal, an Stränden und verschlafenen Dörfern vorbei. Wir wir festgestellt haben hat am 1. Feiertag auch wirklich alles zu. Alles! Selbst Tanken mussten wir an einem Automaten.

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Heute sind wir drei Wochen im Hairy Berry Backpacker Hostel (www.hairyberrynz.com). Bezüglich Arbeit werden wir weiterhin vertröstet. Mal heißt es das Wetter sei zu schlecht, mal sind die Pflanzen noch nicht so weit und und und. So langsam wurde die Meute im Hostel etwas ungeduldig, immerhin wurden sie am Telefon mit Jobangeboten ins Hostel gelockt. Das Hostel ist auch fast randvoll zur Zeit und die Hostelinhaber laufen mit $-Zeichen in den Augen rum, schließlich fliegen sie bald für 4 Wochen nach Asien. Um die Stimmung zu heben, hat Tracy mal einen Contractor zum Hostel gebeten, der ein bisschen über die Jobs erzählt hat und meinte, diese Woche sollte es nun endlich losgehen. Dienstag oder Mittwoch. Niemand glaubt so recht daran, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Die Stimmung ist aber trotzdem gut! Wir haben die letzten Tage immer Ausflüge gemacht. Einmal ging es nach Wiha, eine verschlafenes Städtchen, in dem im Zentrum eine offene Goldmine steht. Von dort dann zum Strand und über einen Küsten-Kletter-Weg zu einer versteckten Bucht. Dort hatten wir den Strand fast für uns alleine. Am nächsten Tag gings noch mal auf den Mount Maunganui und gestern haben wir etwas am Papamoa Beach rumgeturnt. (Ein längerer Blogeintrag mit Bildern folgt bald!). Was auch zur guten Stimmung beiträgt ist die Tatsache, dass wir eine sehr coole Gruppe im Hostel haben. Wir sitzen wir alle im selben Boot und suchen Arbeit (das schweißt zusammen) und es sind viele nette Leute dabei. Der Großteil ist aus Deutschland, aber so langsam haben wir einen guten Mix. Ein Franzose, ein Belgier, ein Texaner, eine Koreanerin und einen Briten.

 

Am Mittwoch steigt eine Halloween-Party, da planen wir gerade fleißig für. Da ich weiterhin am Buchungssystem für das Hostel arbeite, habe ich ja auch eigentlich gut zu tun, so sparen wir immerhin den Preis für die Unterkunft. Also, ein etwas ausführlicherer Eintrag folgt bald!

 

Das sind wir vor der Goldmine in Wiha: