Gabis Reisetagebuch Teil 3

 

Reisetagebuch  Dienstag, 11. März 2008

Eben erschlug ich eine Spinne, die an meiner Wand hoch lief. Normaler Weise rette ich sie immer und werfe sie raus oder lasse sie einfach da. Aber die sah genau so aus wie die Sydney Funnel Web!!! Wenn sie sich heimlich in meinem Koffer versteckt hat, zwischen den Ritzen und so, der Koffer stand ja eine Weile unberührt in der Ecke…jetzt ist sie platt.

Ja, ich in wieder zuhause! Gestern fuhr ich in 81/2 Std. von Nürnberg gen Norden. Bestes Wetter, keine Staus, das Auto freute sich an der Bewegung und fuhr mit Rückenwind zeitweise 170km/h, aber meist fuhren wir gemäßigt, Sprit sparend! Am Sonntag trafen wir auf der Tromm die ganze Familie, mein Vater lud alle zum Essen ein, vor Freude, dass wir wieder im Lande sind! Nachmittags fuhr ich Schorsch  nach Nürnberg zu seinen anderen Großeltern, wo er die nächsten Jahre wohnen wird.

Am Freitag, nach unserem Abschied vom Circular Quay, dem Opernhaus und der Brücke, wir labten uns noch mal an diesem genialen Avocado – Prawn – Salad, fuhr Tiffany uns zum Flughafen. Das heißt Schorsch ist ein letztes Mal gefahren. Ha, mein Koffer! Schorsch war in Angst und Schrecken er könnte zu schwer sein und wir bekämen Schwierigkeiten. Natürlich war er zu schwer! 31kg!!! Aber Probleme gab es nicht, nur eine leise Ermahnung! Ich war nicht nervös gewesen, ich war überzeugt davon, dass alles gut geht! Der Zoll und die Kontrollen verliefen ohne Zwischenfälle. Als wir zum Gate schlenderten, sahen wir unseren Flieger von den British Airways. Alt und klapprig, nicht sehr Vertrauen erweckend. Ich dachte mir im Stillen, dass die Piloten ja nicht lebensmüde seien und die Crew sah fröhlich und unbeschwert aus, als sie an uns vorbei ins Flugzeug lief. Dieses Mal wird der Flieger noch durchhalten! Wir starteten fast pünktlich, nur eine halbe Stunde Verspätung (man erinnert sich, auf dem Hinweg waren wir 3 Std. zu spät) Als wir über der Wüste waren ging die Sonne unter und wir sollten sie erst in London wieder sehen. Wir flogen 23 Stunden durch die Nacht. Gagen die Erdumdrehung, sozusagen bergaufJ und Gegenwind hatten wir auch. Ich war die ganze Zeit wach. Damit Schorsch besser schlafen konnte etablierte ich mich auf einem Notsitz im Heck des Fliegers an der Tür! Dort konnte ich wunderbar aus dem Bullauge gucken. Wir verließen Australien über Darwin, flogen über die Timorsee streiften die Inseln Sulawesi und Borneo, erreichten Südvietnam, sahen die Lichter von Ho Chi Min City (Ich sah sie, die anderen schliefen) Und landeten nach 9 Stunden in Bangkok. Dort jagte man uns durch den ganzen Flughafen, natürlich mussten wir unser Handgepäck mit schleifen, um dann durch wieder durch eine gründliche Kontrolle zu marschieren. Wir bekamen eine neue Crew und weiter ging es über Myanmar, ich konnte die beleuchteten  Straßen von Rangun sehen, wir streiften Bangladesh, über Kalkutta, gewaltigen Beleuchtung am Gangesflusslauf, ich weckte sogar Schorsch damit ihm das nicht entgehe, weiter über viele indische Städte, denn die ganze Zeit über Indien sah ich nur Lichter, einmal sah ich sogar einen Großbrand aber ich konnte nicht rausfinden welche Stadt das war! New Delhi ist riesig! Wir flogen über Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Kasachstan, das kaspische Meer. Dort fing die Dämmerung an und ich wartete auf den Sonnenaufgang. In Kiew wartete ich immer noch auf die Sonne, der Himmel befand sich immer noch im Zustand der Dämmerung. Wir flogen ihr einfach davon.

Über Polen gab es dann endlich wieder etwas zu essen. (Nach Bankok gab es ein warmes Mahl und dann ließ man uns darben. Natürlich konnte man sich etwas in der Küche holen und es wurde Wasser und Saft gereicht.) Über Deutschland, ich musste zum Essen auf meinen Platz, ich sah also nicht die Lichter von Berlin, wurde es ein wenig heller und als wir in London zur Landung ansetzten, ging die Sonne auf aber just da, tauchten wir in eine Wolkendecke. Der Flug verlief fast ohne Turbulenzen, einige leichte über dem Hindukusch, es war immer klare Sicht und ich bekam zu meinem wunderschönen Urlaub noch das Geschenk die halbe Welt bei Nacht von oben zu sehen! Wir flogen fast immer in 12000m Höhe, zwischen 850 und 950km/h und hatten auf der ganzen Strecke leichten Gegenwind!

In London ging alles problemlos und der Flug nach Frankfurt war ein Klacks.

Dort bestellte ich das Taxi mit Dimitri, dem uigurischen Fahrer. Der sagte, er hätte im Fernsehen gesehen und gehört, dass die Aborigene alle saufen. Ich konnte nur mit Mühe meine Aggression unterdrücken, die mich überfiel und wenn Schorsch, nur durch seine Anwesenheit, nicht dämpfend auf mich gewirkt hätte, hätte ich dem armen Kerl  gesagt, dass die Russen auch alle saufen! Aber das Thema Aborigine wird ja noch besprochen. Vielleicht heute Abend. Jetzt ist es 7 Uhr in der Früh, und ich werde jetzt alles tun um hier anzukommen.

 


Reisetagebuch, Donnerstag 6. März 2008

Ich machte einen Fehler gestern Abend, der letzte Satz den ich schrieb, lässt vermuten, dass das Restaurant, in dem Schorsch seinen Abschied isst, „Wiener Schnitzel“ heißt, aber ich habe nur das zweite s bei „ißssst“ vergessen, sie wollen in ein deutsches Lokal gehen.

60 Postkarten habe ich geschrieben, in der Zeit in der ich hier in Sydney bin!!! Allerding sind einige in einen Umschlag gekommen, da sie an die selbe Adresse gingen! Das weiß ich so genau, weil ich auf 50 Briefmarken meine DNA hinterlassen habe!

Mein Koffer ist fertig gepackt! Obwohl Schorschs dicker Schlafsack drin ist, ging er noch zu. Unsere Geschenklein für viele Leutchen sind wohl verstaut. Der Koffer ist sicher schwerer als 20 kg aber wir werden sehen, was der Einchecker sagt, der uns unser Gepäck abnimmt und in den Flieger bringt. Wir haben ja einen Tag gewonnen, wenn wir Samstag um 10 Uhr 50 in Frankfurt landen! Wir fliegen Freitag Nachmittag in Sydney los und sind Samstag früh um 6 Uhr in London! Dazwischen liegen 23,5 Stunden! Diese Zeitrafferei soll uns mal einer nachmachen! Grade sind wir dabei zu relaxen, ich sitze mit Schorschs Macbook im Foyer den Montpelier House und er sitzt neben mir und wartet auf nichts. Die Tür zur Straße ist offen, die Bewohner gehen rein und raus, wir plaudern ein bisschen, ich schreibe nebenbei, hau dauernd daneben, korrigiere, habe Hunger, freu mich, dass ich mit allem Wichtigen fertig bin. Ich überlege ob ich mich auf zuhause freue. Momentan habe ich dahingehend ein neutrales Gefühl aber die Freude wird schon noch kommen. Schorsch meint er könne nicht packen, weil ich seinen Computer habe, der fehle ihm zum Musik hören. Ohne Musik kann er nicht packen. Aber eben kommt Aino, eine finnische Studentin, die ihn um Hilfe bittet, weil something mit dem Internet wrong ist. Ich will gleich noch einmal zur Darling Hurst Road und versuchen die Institutionen, die Fußpflege und Massage sozusagen auf der Straße anbieten zu fotografieren damit die Kollegen sich eine Vorstellung davon machen können wie man hier auf Kundenfang geht. Aber es scheint eine gute Geschäftsidee zu sein, denn grade kam Tiffany, die sich, nach der Arbeit im Campus, den Beginn einer Migräne weg massieren ließ.

Freitag, 7. März

Unser letztes Frühstück im Eck – Cafe´gehört schon der Vergangenheit an. Sam, der uns Gesellschaft leistete hat sich von uns verabschiedet und man merkte, dass er sehr traurig ist. Gestern Abend lud Tiffany mich in letzter Sekunde auch noch zu Dinner ein. Da ich nichts weiter vorhatte nahm ich an. Wir saßen vor einem Österreichigen (nicht deutsch) Lokal unter den Bäumen, sahen diese riesigen Fledermäuse fliegen und ich habe zum letzten Mal für sehr, sehr lange Zeit ein Wiener Schnitzel gegessen. Aber die anderen Dinge die es da gab waren noch schrecklicher! Schorsch ist immer noch am Packen aber wir wollen gleich noch einmal um Circular Quay! Tiffany wird uns nachher um 14 Uhr zum Flughafen bringen. Meine Clexane Spritzen liegen schon parat und die Stützstrümpfe sind schlupfbereit. Ich habe eine Bitte ans Universum geschickt, dass der Platz zwischen mir und Schorsch nicht besetzt wird damit wir genügend Platz haben. Bisher wurden meine Bitten immer erfüllt!!! Sooo lange habe ich mich auf die Reise gefreut, jetzt bin ich doch ein bissel schwermütig, dass sie vorbei ist. Schorsch kann sich nicht gut lösen, er packt noch immer. Aber wir kommen ja wieder. Meine nächste Reise nach Australien plane ich schon in zwei Jahren. 2010 wird wieder ein Aussie – Jahr! Ich fang schon mal an zu sparen…..:)

Jetzt will ich mich mal verstärkt auf Zuhause freuen. Mich erwarten nur freundliche Dinge! Liebe Nachbarn (Uta hat meinen Flur orange gestrichen, eine sehr fröhliche Farbe! Sie hat auch meinen AB abgehört und Patienten weiter vemittelt! Vielen herzlichen Dank liebe Uta!!!:):)!! Mary Lou hat meine Monika gehätschelt und gefüttert, auch ihr sei gedankt!!) Ich freue mich auf Nancy undJörn, die Arbeit, auf viele Patienten, Gisela, die mich vertreten hat, auf Edith+ Willi, auf Maria, auf Manuela und Bernard, auf Doris und Veronika, Michael und natürlich ganz doll auf Thomas, Martin, Ellen, Bärbel, die Hörnschen – Bande, meinen Vater und Helga, Maedi und Richard, Dagmar aus Wees und noch viele mehr!!

Ich werde auch noch eine Weile weiter schreiben, ich versprach ja auf einige Dinge noch besonders einzugehen. Das Schreiben würde mir sonst so fehlen und ich wüsste abends gar nicht was ich machen soll….;)

Na gut, jetzt auf zum Circular Quay und ein letztes Mal den guten Avocado-Prawn-Salad essen(ich muss ja die Zutaten noch rausschmecken). Wir waren übrigens ziemlich oft zum essen aus, denn die Küche hier ist auch für unempfindliche Leute nur mit Überwindung zu benutzen!! Wie z. B. die Küche früher im Schwesternwohnheim…! Aber das hat unseren Horizont nur erweitert und ich habe mir ein paar gute Sachen aufgeschrieben! Jetzt gehts los!!!!!

 

Reisetagebuch Mittwoch 5. März 2008

Uiuiui, nur noch einen ganzen Tag in Sydney! Morgen früh nach dem Brekkie gehen wir zu Paddie´s Market um kleine Geschenklein für liebe Freunde und Verwandte besorgen. Schorsch muss dann zwei Einladungen zum Essen über sich ergehen lassen, der Ärmste…! Einmal mittags, da lädt ihn die Sandwichfirma ein und abends wird er von der Study Group, für die er das Studentenhotel gemanagt hat, in dem wir (kostenlos) wohnen! Wir haben übrigens unseren kulinarischen Horizont erweitert in dem wir bei der Vietnamesin essen waren, die Schorschs Sandwichfirma mit Zutaten beliefert hat. Ich aß mein Mixed Seafood, wie fast immer wenn ich asiatisch essen gehe und Schorsch nahm Ricepaper Rolls mit Rindfleisch. Das Reispapier wurde ihm auf 10 runden Kuchengittern serviert, das Gemüse und das Fleisch auf extra Tellern. Dann wurde gezeigt, wie er das zu essen hat. Man nimmt ein Gitter mit einem runden, hauchdünnen, elastischem Ricepaper und legt die Köstlichkeiten drauf, die man zu essen wünscht. Dann wird das Essen fein säuberlich eingepackt, zusammengerollt und aufgegessen. Das lere Gitter legt man beiseite.Da das sehr langsam von statten geht, ist man längst satt, bevor man das zehnte Papier erreicht hat. Es kommt selten vor, dass mein Sohn Mühe hat auf zu essen, was ihm vorgelegt wird, aber dieses mal war es echt ein harter Kampf. Bei der neuneinhalbsten Rolle gab er auf und stellte die Vermutung an, dass er überfressen sei. Während wir saßen und aßen, kamen Gäste mit Weinflaschen in der Hand ins Lokal. Die Flaschen züchtig in braunes Papier gewickelt oder verschämt in Diplomatenkoffern oder Aktentaschen. BYO steht am Eingang des Lokals. Obwohl ein Weinkarte vorhanden ist, kann man sein eigenes Gesöff mit bringen! BYO steht für „Bring Your Own“ Man braucht den Wein des Lokals nicht zu kaufen, bezahlt aber 2,50$ Korkgebühr, denn man gibt die Flaschen beim Kellner ab, der sie geöffnet am Tisch serviert. In Australien kann man alkoholhaltige Getränke nicht im Supermarkt kaufen. Es gibt aber genug Bottleshops oder Liquorcenters, denn es wird auch in Australien gesoffen. Es ist aber verboten in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Jede Flasche wird in eine braune Tüte gepackt, denn man darf nicht mal eine ungeöffnete Flasche durch die Gegend tragen. Ein offensichtlich Betrunkener der die Straße entlang torkelt, wird gnadenlos von der Polizei eingesammelt, auf die Ladefläche des Polizeiautos verfrachtet und zum Ausnüchtern gebracht. Die Ladefläche dieser Autos ist vergittert, es gibt aber auch verschlossene Aufbauten, man kann den armen Sünder also sehen, wie er da hinten drin sitzt und weggebracht wird. Es erinnert mich so ein bisschen an das Mittelalter in Europa, wo die Delinquenten auf einem offenen Karren durch die Menge gefahren wurden.

Gestern Abend fuhren wir nach Newtown, Schorsch wollte mir diesen Stadtteil unbedingt noch zeigen! Es hat sich gelohnt. Ich fühlte mich so en bisschen in de 70er Jahre zurückversetzt. Viele kleine Kneipen mit Stühlen auf dem Bürgersteig, hin und wieder roch es nach Marihuana, man konnte gebrauchte Bücher kaufen und die Restaurants sind vorwiegend vegetarisch und es wird viel Organic Food angeboten. Eine Buchhandlung war besonders interessant. Der Besitzer, ein grauer, bebrillter, etwas verstaubt wirkender Althippie, saß hinter seinen gestapelten Büchern. Das Geschäft ist eine große Halle in der reihenweise Regale mit Büchern aller Art stehen, manche geordnet die meisten nicht. Auf einer Treppenleiter kommt man nach oben zu einer Galerie mit noch mehr Büchern. Es wirkt so ein wenig messimäßig zumal das ungeübte Auge keine Ordnung irgendwelcher Art erkennen kann. Dennoch wurde ich fündig, ich entdeckte ein paar Hefte der „Freak Brothers“ aus den frühen 70er Jahren von Gilbert Sheldon. Der Messi-Opa hat aber zu gesalzene Preise, sonst hätte ich mehr als eins mitgenommen. Heute machten wir eine letzte Fährfahrt nach Manly. Alles was wir jetzt noch in Sydney unternehmen hat den Beigeschmack von „das letzte Mal“ 🙁 Morgen heißt es dann Kofferpacken und alles reinquetschen was wir so gekauft haben. Wie gut, dass der Koffer nur halb voll war, als ich hierher reiste…!

An dieser Stelle grüße ich mal alle, die einen Kommentar zu unseren Reisetagebüchern geschrieben haben, vor allem Martina Brunner die etwas mehr als ein Jahr meine Nachbarin in Dollerupholz war!! Dann das T- Hörnsche, Christel, Gisela, Axel, Thomas, Dagmar, Edith …, wen ich nicht genannt habe melde sich bitte…

Die zweitletzte Nacht in meinem Gemach, hier im Montpelier House ist angebrochen. Letzte Nacht gab es hier wieder mal einen Sause, die kaum mehr zu toppen ist. Ich hatte Lust heute Vormittag, als die Krachmacher noch schliefen, mit einer Schiffsglocke durchs Haus zu gehen, oder alle Kochtöpfe die Treppe hinunter scheppern zu lassen. Morgen Abend, wenn Schorsch mit seiner Firma im Restaurant Wiener Schnitzel ist, werde ich noch ein bisschen weiterschreiben.

 

Montag 3. März 2008

Da das Wetter gut war und klare Sicht herrschte, bestiegen wir kurz entschlossen den Sydney Tower! Wir stiegen natürlich nicht die rund 1550 Stufen hinauf, es hätte sowieso das selbe gekostet, sondern nahmen den Aufzug. Bevor uns erlaubt wurde den Aufzug zu betreten, mussten wir uns so eine Art Kontrolle, wie etwa am Flughafen gefallen lassen. Unsere Taschen wurden nach Waffen abgetastet, wurden durchleuchtet, wir gingen durch einen Metalldetektor und ich musste mein Taschenmesser abgeben! Man weiß ja nie, was ich sonst damit angestellt hätte…! Der Wahnsinnsblick über Sydney und Umgebung, bis zu den Blue Mountains, entschädigte für alle Ungemach. (Ach ja, eine Fotografin fotografierte uns vor dem Aufzug, ich dachte noch das hätte einen besonderen Grund, aber es war Nepp, denn für das Foto wollte sie später 35$, soviel wie für die Fahrt für 2 Personen nach oben) Man konnte, wenn man wollte noch den Skywalk mitmachen. Ganz oben auf dem Turm ist eine Plattform mit wenig Geländer und vor allem Glasboden. Es lag nicht nur am Preis, dass wir darauf verzichteten…:) Nach einer netten Kaffeepause mit Panoramablick ging es zu einer Art Kinovorstellung rund um Australien.(War im Turmpreis inbegriffen) Es war kein Kino, es waren Riesenschaukästen vor denen wir saßen und worin eine Kulisse aufgebaut war. In der Kulisse lief wohl ein 3D Film, denn man sah die beiden Schauspieler und den Hund plastisch und maßstabgetreu zur Kulisse verkleinert . Ich hab so etwas vorher noch nie gesehen. So wurden uns die verschiedenen Klimazonen des Kontinents vorgestellt. War eine Kulisse zu Ende erklärt, drehte sich der Zuschauerraum, wie ein Karussell zur nächsten Kulisse. Man hatte Kopfhörer auf und konnte die Sprachen einstellen. Ich hatte leider nur die Auswahl zwischen russisch, chinesisch, ungarisch und englisch. Das Chinesische hätte auch japanisch sein können, ich kann es nicht so gut unterscheiden… Nachdem wir alle Schaukästen abkarussellt hatten, wurden wir in einen großen Kinoraum geführt, der mit sehr seltsamen Sesseln ausgestattet war. Ich musste meinen richtig erklimmen. Die Kinoleinwand war halbrund und an den Seiten waren waren auch Leinwände. Ein Rundumkino, sozusagen. Und dann ging die Reise los. Wir waren mitten im Geschehen. Wir flogen, fuhren Boot, Schiff und Kutsche und unsere Sessel machten die passenden Bewegungen. Gut dass ein Bügel vor unserem Bauch war, sonst hätte es mich katapultiert, so wirklichkeitstreu, wie das Geruckel war. Es hat mir sehr gut gefallen, diese Art Kino ist nach meinem Geschmack! Natürlich war es auch informativ! Wir sind über den Uluru geflogen! Unsere Erinnerung ist ja noch warm und ich schaute ganz genau hin! Als die Vorstellung zu Ende war tat es mir richtig leid, ich hätte gut noch mehr davon haben können.

Heute Vormittag, als Schorsch seinen Pflichten nachging, spazierte ich wieder mal durch den botanischen Garten. In einem kleinen gläsernen Haus, das sonst immer geschlossen war, konnte ich eine Kunstausstellung besichtigen! Mir gefielen die Bilder, es waren nur Gemälde ausgestellt, so gut, dass ich mich sehr lange in dem Glashaus aufhielt um Bild für Bild genau anzuschauen. Es sind Motive aus der australischen Flora und Fauna, mit viel Liebe um Detail, sehr farbenfroh, ganz so wie es mir gefällt. Ich weiß nicht, wie man diese Art der Malerei nennt aber wen es interessiert, hier ist die Website der deutschen Künstlerin: www.jhildebrandt.com.au! Johanna Hildebrandt heisst sie. Ihre Tochter (Kara Walsh) hat auch ausgestellt, es sind aber fast nur Stadtmotive und zwar europäische Städte im Vergleich mit Sydney. Ich glaube, das würde Schorsch gefallen, wir wollen noch einmal zusammen hingehen.

Unser Trip nach Alice Springs war sehr, sehr schön, aber wohl anstrengender als ich vermutete. Ich war um 9 Uhr heute Morgen mit Schorsch zum Frühstück verabredet um

9 Uhr 30 klopfte er mich aus dem Tiefschlaf!!! Ich hatte mir natürlich keinen Wecker gestellt, denn ich bin ja immer früh wach. So kanns gehn!!!

Noch ein Nachtrag zum Sternenhimmel in der Wüste: Das Kreuz des Südens konnte ich gut erkennen und, wie schon gesagt, den auf der Seite liegenden Orion. Das Kreuz des Südens ist ja auf der Australischen Flagge und auf dem Folienfenster der 50 Dollarscheine! Und noch eine Bemerkung zu den Autos, die regelmäßig durch die Wüste fahren. Da viele Tiere im Outback leben, solche, die dahin gehören wie Kangaroos und Emus zum Beispiel und auch solche die erst durch die europäischen Siedler hergebracht wurden wie Kamele, Kühe und Schafe, kann es sein, das so ein Tier die Straße kreuzt. Natürlich bremsen die meisten Leute, wenn sie ein Tier sehen, wie unser Busfahrer, als eine Horde Kangaroos nachts über den Stuart Highway hüpfte, aber es kann passieren, dass man ein Tier erwischt. Damit das Auto nicht jedes mal zu Schrott gefahren wird, sind an den meisten Autos solide Spoiler angebracht, der Blechschaden verhüten soll. Die Fahrer der Roadtrains bremsen nicht, hat unser Busfahrer gesagt. Die Gefahr, dass der Lastzug durch ein hektisches Bremsmanöver ins Schleudern kommt, ist zu groß.

 

Gabis Reisetagebuch Sonntag, 2. März

Ich bin mit dem Zählen nicht mehr hinterher gekommen aber nummerieren kann ich ja später irgendwann!

Ja, zum Schreiben war auch kein Platz mehr. Aber jetzt sitze ich wieder wohlbehalten im Montpelier-House. Am 29. Februar, unserem einzigen ganzen Tag in Alice Springs, waren wir ja sehr früh munter genug, um die Stadt kennen zu lernen. Wir mussten auch munter sein. Die Stadt ist nämlich sehr weitläufig im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind weit gelaufen! Zunächst suchten wir das Kultur – Centrum auf, zu dem uns Schorsch anhand seines wunderbaren Australien Buches und dank seines Orientierungssinns hin lotste. (Mehrere Kilometer am Stadtrand und durch die Stadt) Es ist so eine Art Museum und Kunstausstellung über Handarbeiten und Kunst der einzelnen Stämme der Ureinwohner und natürlich die Erklärungen über Flora und Fauna um Alice herum. Durch Alice fließt ein Fluss, der Todd River. Das heißt er fließt nicht, denn derzeit ist er ausgetrocknet. Er führt auch nur nach heftigeren Regenfällen Wasser. Ich habe gehört, dass wenn man, wenn man den Todd River 3 Mal mit Wasser sieht, sich als Einheimischer bezeichnen darf. Alice Springs liegt ja mitten in der Wüste, es ist also alles staubtrocken! Das Gras ist hellbraun und nur an gesprengten Stellen, wie an einigen öffentlichen Plätzen und Vorgärten ist es grün. Aber halt auch nicht so richtig saftig grün, dass man Appetit drauf bekäme, wie in Schleswig Holstein zum Beispiel. Nach dem Kulturzentrum besuchten wir die Royal Flying Doktors. Diese Organisation übernimmt die medizinische Versorgung, insbesondere die Notfallversorgung, der Menschen die in abgelegen Regionen wohnen. Die Transporte und die medizinische Versorgung der Menschen die der Hilfe bedürfen bezahlen die Krankenkassen, das Unternehmen wird vom Staat finanziert. Auch die Untertanen und Staatsbürger einiger europäischer Länder und Neuseeland geraten durch ein Abkommen mit der Australischen Regierung nicht in finanzielle Not, wenn sie mal gerettet werden müssen. Die BRD gehört noch nicht dazu. In Anbetracht der sehr vielen Deutschen hier, wäre so ein Abkommen doch mal eine Überlegung wert! Die School of The Air, in der Kinder in abgelegenen Farmen Fernuntericht mittels Funk erhalten und eine Kamelfarm war noch auf in unserem Programm, aber das wären noch mehr Kilometer gewesen, weil die Stationen ausserhalb der Stadt sind. Es hatte immerhin 36 Grad, wenn die Luft auch trocken ist und der Schweiß in Windeseile verdampft!

Gestern, am 1. März wurden wir um 6 Uhr morgens von den „Emu Run Tours“ in einem schönen Bus aufgepickt(Pickup) und fuhren in die Wüste zu den Kata Tjutas und dem Uluru! Die beiden Busfahrer, die sich auf der Strecke abwechselten, unterhielten ihre Fahrgäste, wir waren zwölf, mit viel Information über das Bushland durch das wir fuhren, die Straßen, der Bau der Straßen, die Roadtrains, die Flora und Fauna des Bushlands, die Farbe des Sandes, Beschaffenheit und das Alter der Hügel, die Salzseen und natürlich über die Kata Tjutas und den Uluru. Die beiden sprachen Aussie – Dialekt aber ich konnte mehr verstehen als ich dachte. Allerdings wusste ich auch schon einiges von dem was sie erzählten, das machte das Verstehen leichter. Wir wurden zu kleinen Wanderungen animiert, man sorgte dafür, dass unsere Wasserflaschen immer gut gefüllt waren und fragte ob wir uns eingecremt hätten! Ich war sehr, sehr dankbar über das Fliegen – Netz, welches ich mir im Royal Flying Doctors Laden gekauft hatte.(Vielen Dank für diesen Rat, liebe Christel!!!) Die anderen waren alle am Mit – der – Hand – wedeln. Von weitem sieht das lustig aus. Scharen von Leuten, die sich dauernd mit der Hand vorm Gesicht rumwedeln, man kann ja den Grund dafür, die Bushfliegen, (Bushfly oder Dessertfly, sehen aus wie unsere Stubenfliegen nur zierlicher) aus der Ferne nicht sehen. Apropos Scharen von Leuten, so viele waren das gar nicht obwohl Samstag war. Der rote Felsen mitten im Bushland, es ist keine Wüste, da ja Gumtrees und verschiedene Sträucher wachsen, ist schon sehr beeindruckend. Der Tag war lang und ereignisreich und damit die Gruppe bei Laune blieb, wurden wir in Abständen gefüttert. Mal mit Brekkie(australische Bezeichnung für Frühstück),mal australische Gummibärchen(die könnten wir mal zu Gottschalk schicken damit sie was lernen…:) ) Äpfelchen, Melonenstücke, Sandwiche, Orangensaft, sehr süßen Kuchen! Zum Sonnenuntergang fuhren wir an eine besondere Aussichtsstelle an dem sich dann alle Nationen versammelten um Fotos vom Uluru in der untergehenden Sonne zu machen. Die Busladungen von Menschen aller Länder, denen wir tagsüber nicht begegneten, trafen wir dann alle dort. Wir hatten ein BBQ mit australischer Bratwurst, vielen Salaten, Brot, Soßen, Ananas und viel Sekt und Orangensaft. Natürlich machten auch wir Fotos bis der Akku aufgab! Nachdem die Sonne weg ist, wird es sehr schnell dunkel am Uluru und die beiden Busfahrer sammelten uns ein um uns wieder heim zu bringen. Vier Stunden Fahrt lagen ja noch vor uns. Am Mount Ebenezer, einer Roadstation (auf gar keinen Fall zu vergleichen mit unseren Raststätten) machten wir auf Hin – und Rücktour Erleichterungspause! (Für einige, die dem Sekt etwas mehr zugesprochen hatten, stand eine Chemietoilette im Bus zur Verfügung) Schorsch und ich schauten uns den Sternenhimmel an und fanden den Orion auf der Seite liegend. Leider sind mir die Sternbilder des südlichen Sternenhimmels nicht geläufig. Aber ich hab mich auch so an dem sehr hellen Sternenhimmel erfreut.

Eine kleine Verwirrung meinerseits hat es mal wieder gegeben. Die Uhrzeit. In Adelaide ist es immer eine halbe Stunde später als in Sydney. Das geht noch. South Australia hat auch , wie New South Wales, Sommerzeit. Als wir mit den Ghan über die Grenze ins Northern Territory fuhren stellten wir die Uhren eine Stunde zurück. Im Northern Territory, in dem Alice Springs liegt gibt es keine Sommerzeit. Braucht es auch nicht. Es gibt ja im Norden Australiens keine Jahreszeiten. Bei den Sonnenauf- und Untergängen sind keine großen Zeitunterschiede. Da spart es keine Energie, wenn man die Uhren vorstellt um die Helligkeit auszunutzen. Also der Zeitunterschied von Alice Springs und Sydney beträgt 1,5 Stunden weil die Sonne in Alice eine halbe Stunde später aufgeht als in Sydney aber NSW die Uhren im Sommer 1 Stunde vorgestellt werden. Ich glaube, ich muss mir das aufmalen…

Ich will den Ureinwohnern in Alice noch einen Eintrag widmen. Das mach ich aber in den kommenden Tagen. Mal sehen, was wir in den verbleibenden viereinhalb Tagen noch unternehmen. Der Sydney Turm steht noch an, Newtown, ich will unbedingt noch mal in den Botanischen Garten, am Donnerstag auf jeden Fall nach Paddies Market. Schorsch hat heute schon angefangen seine Nachfolgerin einzuarbeiten und ist vielleicht die nächsten Tage nicht so abkömmlich.

Meine liebe Traudel hat heute Geburtstag, mir immer ein halbes Jahr voraus! Alles Gute liebe Traudel und ich bin sicher unsere Reise hätte Dir auch sehr gut gefallen. In dem Backpacker Hotel, Alice Lodge, hat mich vieles an unsere gemeinsamen Unternehmungen Anfang der 70er Jahre erinnert. Da waren z. B. auch zwei Mädels mit dicken Rucksäcken, die eine groß, schlank, schwarze Locken, die andere klein, schlank, mittelblonde Strähnen… beide fröhlich und aufgeschlossen, jünger als unsere Kinder jetzt sind!


Nur noch 4 Tage Sydney…kann man nicht die Zeit ein bisschen anhalten? Aber dann kommen wir mit der Um- und Rumrechnerei gar nicht mehr zurecht, lassen wir sie laufen, die Zeit.:)


Freitag 29.02.2008

Ich war gestern Abend doch zu müde zum Weiterschreiben. Das hat dann ja Schorsch übernommen als ich kurz nach Sonnenuntergang im gekühlten Wohnwagen ins Koma fiel. Dem füge ich noch etwas zu. Vor der Abfahrt mussten sich alle Fahrgäste auf dem Bahnsteig versammeln. Der Obermanager des Zuges (ein Holländer mit Zwirbelbart Jos Engelar, bekannt aus Dokumentarfilmen über Australiens Interkontinentaleisenbahnen) stellte die Crew vor und erzählte einige Daten wie die Länge des Ghan (448m), die Höchstgeschwindigkeit(115 km/h!!!) und noch einiges über die Strecke die wir fahren und den Komfort des Zuges. Er wünschte uns noch viel Vergnügen und die Crew rief so etwas wie „Hipphipp Hurra!“ ich konnte es nicht genau verstehen, Schorsch auch nicht und dann durften wir einsteigen! Kurz nach der Abfahrt konnte ich ein immer wiederkehrendes Phänomen beobachten: Kaum rollte der Zug, hörte man überall Papiergeraschel, man roch Äpfel, hörte Essgeräusche! Fast alle in unserer Umgebung fielen über ihre Lunchpakete her. Wir nicht. Wir warteten noch eine Weile und suchten uns dann einen Platz mit Tisch im Loungewagen an dem wir bequem essen konnten. Die weitere Fahrt war sehr kurzweilig für mich. Der arme Schorsch quälte sich mit seinem Schnupfen und verbrachte mit seinem Buch die meiste Zeit auf unserem Sitzplatz. Ich okkupierte einen bequemen Platz, mit Tisch in diesem Sofa- Wagen unterhielt mich mit einem Friseur im Ruhestand aus Landau und vielen anderen Leuten. Dabei fertigte ich Meter um Meter Schnur auf meiner Strickliesel:)! Als ich mich so etwa um zwei Uhr nachts zu Schorsch auf den Sitz begab um etwas zu schlafen, im Sofawagen darf man das nicht) hielt der Zug mitten in der Wüste an. Der Schaffner kam und weckte ein Pärchen, das schräg hinter uns saß. Die beiden wurden von einem Auto mitten in der Wüste abgeholt und ich, schwupps, saß auf dem leeren Platz und konnte mich ausbreiten. So kam es, dass ich morgens zu dem herrlichen Sonnenaufgang wunderbar ausgeschlafen war, wenn auch etwas verbogen.

Jetzt ist es noch kühl, etwa 17 Grad und wir sind beide, trotz der frühen Tageszeit schon sehr wach und unternehmungsfreudig. Heute Abend wird man wieder von mir hören.


Donnerstag 28.02. 2008

Hier sind wir jetzt in Alice Springs! Unsere Bleibe, ein Backpacker Hotel, heißt Alice Lodge! Um einen Platz mit Bäumen, Rasen und Pool ist eine kleine Wagenburg mit Wohnwagen errichtet.

Reception, Sanitäre Anlagen und Küche sind flache Bungalows. Alles ist in fröhlichen, bunten Farben gehalten(siehe Gabis Küche…). Die rosa Kakadus fliegen in Peergroups über uns hinweg und geben an, wie es Jugendliche manchmal tun! Es ist 18 Uhr 40 es hat noch 30 Grad aber es fühlt sich nicht so heiß an.

Reisetagebuch 22.Eintrag, Dienstag 26.02.2008

Ein gemächlicher, ziemlich schwül-heßer Tag. Wir kamen erst so um 13 Uhr am Circular Quay an von wo wie unsere Museumstour starteten. Zunächst das Museum für zeitgenössische Kunst. Die Exponate konnten mit uns nicht viel anfangen, wir zeigten zwar Respekt doch kein Gefallen, eher Ratlosigkeit. Im Museum of „The Rocks“ dagegen verbrachten wir längere Zeit, da Filme über den Bau der Harbour Bridge und den Beginn des Baus der Skyline in den 60er Jahren. Als die alten Gebäude von The Rocks abgerissen werden sollten um Hochhäusern zu weichen kam es zu dem was man heute „The Battle of the Rocks“ nennt. Demonstrationen von empörten Bürgen wurden mit Gewalt beendet. Allerdings sah man keine Wasserwerfer aber die waren Anfang der 70er noch nicht so in Mode. In dem kleinen Museum wird auch sehr schön das einstige Leben der Ureinwohner an der Küste, an der sich Sydney ausgebreitet hat , beschrieben. Ich will in einem späteren Eintrag darüber berichten, ich möchte nur noch ein bisschen mehr wissen damit ich keinen Stuss erzähle.

Morgen früh um 6:30 Uhr fliegen wir nach Adelaide und dann steigen wir in den Zug „The Ghan“ um dann in 24 Stunden durch die Wüste nach Alice Springs zu reisen. Ich bin ja so gespannt auf die Wüste! Schorsch nimmt den Laptop mit, so dass ich später nicht alles auf einmal schreiben muss. Aber online wird mein Reisetagebuch erst wieder am Sonntag gestellt. Ich hoffe meine treuen Leser halten das so lange aus…;) Zur Zeit prasselt über unserem Stadtteil ,Elizabeth Bay, ein Gewitter nieder und zwar eines von der Sorte, welches früher die Omas veranlasste in den Keller zu flüchten und sich auf den lieben Gott zu besinnen. Hier flüchtet aber keiner, denn die schwül- heisse Luft ist einer frischen Brise gewichen!

Ich sitze hier in meinem Zimmerchen in dem Studentenhotel. Von allen Seiten hört man plaudernde Stimmen, auf englisch und französisch, ein bisschen Musik aber grade keine lästige laute Musik. Manchmal ist hier der Teufel los. Solange ich hier bin ist sogar schon 2 mal die Polizei gekommen um Ruhe einkehren zu lassen. Wir waren als Kinder früher immer mit unseren Eltern auf Ferienfreizeiten. Unser Vater leitete die Gruppen von Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren. Ich kann mich erinnern, dass die Jugendherbergseltern, der diversen Jugendherbergen immer sehr streng waren und dass ein straffes Reglement herrschte. Wie sehr sehnte ich mich die letzen Tage mal nach so einem alten Drachen von Herbergsmutter! Die wenigsten der, eigentlich sehr netten, freundlichen jungen Leute räumen hinter sich auf. Kein Stuhl wird zurück gestellt, kein Bad hinter sich gesäubert, wenn der Müll neben den Mülleimer fällt, bleibt er liegen. Die Türen fallen mitten in der Nacht, im Treppenhaus wird laut geredet. Jeder beklagt sich über den Lärm und den Dreck aber keiner will es gewesen sein! So war das schon immer, deshalb wussten die Hebergseltern, dass man mit Bitten nicht weit kommt. Wer sich daneben benahm wurde gnadenlos ausgeschimpft. Schorsch ist hier ja so eine Art Herbergsvater, wenn es auch anders heißt. Er regt sich aber nicht mehr auf. Ich habe mit erlebt wie er für eine vergessene Schlüsselkarte in aller Ruhe 20 Dollar verlangte, so wie es überall im Haus auf Hinweisen angedroht wird. Ohne Kompromiss. Wenn er nachgeben würde, käme er vor lauter Zimmertür- Aufschließen nicht zur Ruhe. Er wird oft genug nachts aus dem Schlaf geklopft. Ich kann trotz Lärm gut schlafen. Die lange Nachtdienstzeit hat mich immun gegen, ich sag immer „Tagesmusik“ gemacht. Ausserdem falle ich nach meinen Tageseinträgen sowieso ins Bett, da die Tage so erlebnisreich sind. Wir sind ja jeden Tag auf Achse.

Heute Nachmittag, nach unserer Weiterbildung in den beiden Museen besuchten wir noch den Foodcourt unter dem Myer´s Kaufhaus in der George Street. Da kann man sich für wenig Geld in aller Ruhe mit Gerichten aus aller Welt zu Tode fressen. Wir hielten uns aber zurück und aßen jeder nur ein Gericht. Zurück an King Cross Station,trennten wir uns. Er in Richtung Bett weil er sich einen Schnupfen eingefangen hat und ich wollte noch einen kleinen Erkundungsgang in die andere Richtung machen. Ich blieb bei einem Fußpflegecenter hängen. Ich wollte doch mal gucken, wie das hier gemacht wird. Es mutet wie ein Frisiersalon an. Die Behandlungsstühle sind große Ledersessel mit Relaxmodul. man fährt sie nicht hoch, denn die Behandlerinnen sitzen auf schönen, kleinen, gepolsterten Rollschemeln. Was solls dachte ich mir, meine Füße bedürfen einer Behandlung und Auslandserfahrung hat noch keinem geschadet. 30$ sollte es kosten.

Ich nahm auf dem Sessel Platz(superweicher Ledersessel). Zu meinen Füßen ist eine Wanne auf der der Sessel sozusagen steht. Die Fußpflegerin ließ Wasser mit einem duftendemZusatz ein und fing derweil an meine Nägel (Schock!)mit einem Nagelknipser zu schneiden. Wer schon einmal von mir behandelt wurde weiß dass ich auf keinen Fall grob bin und mich um Behutsamkeit bemühe. Nicht so die resolute Chinesin, die meine Füße in der Hand hatte. Erst durch Wehgeschrei wurde sie auf die Person, die an meinen Füßen dranhängt aufmerksam! Na ja, ich griff mindestens drei Mal in den Behandlungsablauf ein. Vor allem zum Schluss als sie mit einem Bimsstein(!!!)der da so vor sich hin moderte meine Fußsohlen traktieren wollte wurde ich streng und befahl stop it, Idon´t like that. Was mir gefiel war das wunderbare Massagebad für die Füße. In der Wanne sprudelte aus zwei Düsen ein rechte harter Strahl, der meinen Füßchen sehr gefiel. Die Abschlussmassage war auch ganz ok und meine Füße fühlten sich gut an. Aber sonst würde ich meine Patienten lieber zu mir oder zu meinen vortrefflichen Kollegen Nancy, Jörn und Gisela schicken. Ich sah übrigens nicht, dass die Badewanne nach meiner Behandlung desinfiziert wurde…! Es geht halt nichts über Podologen 🙂 Ich will nicht vergessen zu erwähnen, dass die armen Fußpflegerinnen, die sich um meine Füße bemühten, (nach meinem Wehgeschrei wurde ich weitergereicht)recht froh waren als ging. Deutsche Podologinnen stehen jetzt vielleicht auf deren Liste der unerwünschten Personen…!

Bis Sonntag also!

Fortsetzung folgt!

Gabis Reisetagebuch 21. Eintrag Montag, 26. Februar

Nein, Schorsch und ich gehen uns noch nicht auf die Nerven, wir vertragen uns. Auch wenn er gestern, als ich ihm ein Taschentuch anbot meinte, ich solle nicht anfangen „die Mutter raushängen zu lassen“!

Heute waren wir, wie geplant im Taronga Zoo! Er liegt gegenüber von der City an der Sandsteinküste von Taronga, wunderschön terassenförmig angelegt, mit viel Liebe und Sorgfalt ausgestattet. Von der Fähre aus stiegen wir in ein eine Seilbahn von der wir einen tollen Blick hatten und die uns über den Zoo schweben ließ. Wir konnten den Elefanten und Giraffen zuwinken! Mein Interesse galt aber mehr den australischen Tieren! Die Kangaroos hielten Siesta, dafür hatten die Koalabären grade ihre Wachphase und zeigten uns wie gut ihnen die Eukalyptusblätter schmecken. Ich lernte, dass das Schnabeltier nicht größer als ein Dackel wird, wenn ich die die Ausführungen einer Zootante richtig verstanden habe und dass man diese Riesenspinnen namens Huntsman Spider nicht töten soll weil sie die Kakerlaken fressen. Das ist ein Argument. Aber ich werde sie sowieso nicht töten weil ich mich das gar nicht trauen täte. Über die Spinnen lauschten wir einem Zooranger( alle heißen heutzutage Ranger…) der uns auch vor der Sydney Funnel Web warnte und Vorsicht ans Herz legte wenn wir in dunkle, schon lange nicht mehr gefegte Ecken greifen wollten. Ich habe ja schon vor meiner Reise einige Infos gesammelt und weiss, das Down Under die tödlichsten Spinnen, die tödlichsten Schlangen, die tödlichsten Quallen, die gierigsten Krokodile(das Salzwasserkrokodil hat angeblich Menschen auf dem Speiseplan…)und überhaupt vieles gefährliche Geziefer aller Art vorzuweisen hat. Doch die Australier sind trotzdem nicht von Ängsten geplagt und leben munter vor sich hin. Es gibt auch, dank der inzwischen entwickelten Impfstoffe, kaum mehr Todesfälle. Die Zahlen sind belegt, bei Interesse kann man alles nachlesen.

Auf dem Weg durch den Zoo sahen wir unglaublich viele Spinnengewebe die sich über die Wege und an den Wegrändern spannten. Da wir in letzter Zeit jede Menge dieser Gewebe sahen liegt die Vermutung nicht fern dass ganz Sydney eingesponnen ist. :)Am meisten sieht man diese (harmlosen) Spinnen mit goldenen Pünktchen auf Beinen, Kopf und Rumpf. Harmlos aber so groß wie ein Handteller Handschuhgröße 9! Der Zoobesuch nahm ca. 5 Stunden in Anspruch und wir legten lange Wege bergauf und bergab zurück, und genossen zwischendurch die Aussicht über den Hafen und die Skyline. Immer wieder grandios! Die Investition von 44$ pro Person hat sich gelohnt. Im Preis war die Fahrt mit der Fähre, einschließlich informativem Sightseeingsvortrag (wenn man was verstanden hätte…), die Seilbahn und die Rücktour mit der Fähre und unverständlichem Vortrag von immer noch der selben Dame, die nicht mal heißer geworden ist!

Meine Füße haben sich mittlerweile an den Asphalt gewöhnt und die Blasen sind abgeheilt. Ich kann also wieder zünftig fürbass schreiten! Morgen werden wir 2 Museen heimsuchen und das Stadtteil „The Rocks“ von dem ich gestern schon erzählte!

tu be continued…

Hier geht es weiter zu Teil 2 http://www.goingsydney.de/?page_id=134

Hier geht es zu Teil 3 des Reisetagebuchs: http://www.goingsydney.de/?page_id=133

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