Einmal Klonen bitte

Es ist 23.20 Uhr, und es kommt mir vor, als ob ich meine Schicht gerade erst angefangen hab (14.30 Uhr war Beginn). Es war einer der krassesten Tage hier in der Lodge, deswegen schiebe ich auch gleich diesen Blogeintrag hinterher. Quasi ein Minutenprotokoll einer Schicht.

Nachdem der Kollege der Frühschicht gegangen war, sah ich, dass er gar keine Abrechnung gemacht hatte. An sich kein Problem, nur lässt sich so später bei Diskrepanzen in der Kasse ein Fehler schwerer finden. Aber ein weiterer Punkt auf Raj’s “müsste ich eigentlich machen, hab ich aber kein Bock zu”-Liste. Er arbeitet seit mehr als einem Jahr hier. Daher kann ich ihn verstehen, dass er hier zu nichts mehr Lust hat. Allerdings ist sein Visum an den Job hier gebunden, er kann also nicht einfach so kündigen. Gut, ein anderes Mal dazu mehr.

Als ich gestern den Blogeintrag schrieb, hörte ich die ganze Zeit ein komisches Geräusch. Es hörte sich wie Taubengurren an, war aber eigentlich zu laut und regelmäßig dafür. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht. Im Zimmer habe ich es aber auch noch gehört und mich nochmals kurz gewundert. Nachts und morgens war das Geräusch immer noch da, und ich habe es auf den Aufzug geschoben, in böser Vorahnung, dass dieser jetzt kaputt sei. Der Aufzug ist aber unschuldig. Der Wassertank oben auf dem Dach war es. Dort stehen drei riesige Tanks. Wie bei einer Toilettenspülung wird der nachgefüllt, wenn so ein Schwimmer nach unten sinkt. Der Tank war eigentlich voll, der Schwimmer wummerte aber immer noch gegen die Decke vom Tank, das war das Geräusch. Gurr Gurr…. Gurr Gurr…. Gurr Gurr. Ben erklärte mir, dass ich den Schwimmer einfach etwas drücken muss, dann hört es auf.

Tat es auch.

Für 10 Minuten.

Im Laufe des Abends beschwerten sich immer mehr Leute über das Geräusch. Sie hätten schon letzte Nacht nicht schlafen können, so geht das doch nicht, tu doch was, bla bla. Ich bin auch wieder nach oben, und hab brav gedrückt, aber mehr kann ich halt nicht machen. Mir wurde vom Management gesagt, das Teil muss bestellt und von einem Klempner ausgetauscht werden. Ich wette hiermit $50 darauf, dass gar kein Klempner angerufen wurde. Nein .. $100, ich wette $100!

Ok, ich muss hier mal zu Potte kommen. Es ist so viel passiert, das wird sonst spät heute.

Warum auch immer, das Hostel ist seit dem 7s (Sevens) Weekend unheimlich busy. Jeden Tag fast vollausgebucht, immer nur ein paar Betten frei. Nun haben wir seit gestern wohl das Problem, dass unser Buchungssystem nicht mehr mit den Buchungswebseiten im Internet reden mag. Eigentlich sind wir schon voll ausgebucht, es kommen aber immer noch Buchungen rein. Sehr blöde Situation. Als ich zur Schicht kam, sagte man mir schon, wir haben zwei Überbuchungen, und man hat schon Hotelzimmer für die Gäste organisiert. (Das Hotel gehört zur gleichen Firma wie das Hostel.)

Soweit so gut. Habe dann im Laufe des Nachmittags Marissa immer wieder dazu gedrängt, doch das Buchungssystem in Ordnung zu bringen. Habe ihr auch die Telefonnummer von der Softwarefirma rausgesucht. Aber sie ist dann einfach gegangen. “Sweet as. Mache ich morgen”. Klar! Mit etwas anderem habe ich auch nicht gerechnet. Resultat der Aktion: Bevor ich online per Hand unsere Verfügbarkeit auf 0 setzen konnte, kamen noch Buchungen für ein Doppelzimmer und ein Apartment (5 Personen, ensuite) rein. Ich habe bei der Buchungsseite (sowas wie booking.com) angerufen und gefragt, ob man das noch stornieren kann. Nein, wenn wir das Zimmer nicht mehr haben, müssen wir dem Gast ein gleichwertiges Zimmer hier in der Nähe suchen. Okaaaay. Aber wenn schon WIR, das Hostel mit den schlechtesten Bewertungen im Netz, voll sind, dann haben die anderen doch schon lange kein Platz mehr. Aber ok, DAS ist nun wirklich das Problem vom Management. Wenn sie einfach abhaut, ohne Sachen endgültig zu klären…. Pech.

Die eine Überbuchung von heute kam dann auch später am Abend.Ich hab ihr den Schlüssel zum Hotelzimmer gegeben, mich 1000 Mal entschuldigt und sie losgeschickt. Sie kam zurück und sagte, sie konnte die Tür nicht aufmachen, sowieso alles Scheiße, und sie will sofort ihr Geld zurück. Sie war dabei aber sehr nett zu mir. Als sie eincheckte und sie meine Probleme mitbekam (Licht in Zimmer 109 geht nicht, Internet geht nicht, Kartenzahlterminal ging nicht, überbucht….) fragte sie noch trocken “Is your job challenging?” ..

Also ok, Geld zurück und das Problem aus der Welt. (Sie kann wohl bei Freunden unterkommen.)

So, was war noch?

Wir verkaufen Internetcodes, mit denen sich Gäste ins WLAN einloggen können. Kaputt. Gäste nicht glücklich darüber.

Eine ältere Dame habe ich ins Zimmer 204 eingecheckt. Sie kam zurück und sagte, die Tür geht nicht auf. Ich bin also mit ihr hoch, und die Batterie im Schloss war leer. Macht kein Mucks mehr. Also wieder runter, den richtigen Schlüssel fürs Schloss (für jedes Schloss haben wir Ersatzschlüssel, meist 2) holen. Aaaber? Er war nicht da. Auf der Putzliste war das Zimmer aber abgehakt, also musste der Schlüssel vorhin noch da gewesen sein. Die Putzfrau angerufen, keinen erreicht. Ohne manuellen Schlüssel und mit leeren Batterien im Schloss kommen wir aber nicht in die Zimmer.

Normalerweise hätte ich der armen Frau ein anderes Zimmer gegeben, aber geht ja nicht. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch 2 Apartments frei. Für die Nacht heute hab ich ihr eins gegeben. Ein massives Upgrade. Sie hat nun ihr eigenes Bad und eine Küche. Morgen muss sie dann leider umziehen. Vorausgesetzt, wir finden den Schlüssel.

Dann hab ich eine andere Gruppe eingecheckt, deren Zimmer war nicht gemacht, obwohl es auf der Putzliste stand. Wie sich herausstelle, gab es einen Grund. Die Heizung leckt, und der ganze Teppich war nass. Da hatten wir zum Glück noch ein 2. Zimmer für die Gruppe frei. Aber, wenn das bekannt war, wieso blockt man dann das Zimmer im System nicht??? Danke Marissa/Frühschicht/Putztrupp. Ach ja, wieso ruft man eigentlich nicht den Klempner? Ist ja nicht so, als ob er hier nichts zu tun hätte (Wassertank, Duschen erster Stock…)

Als ich zwischen 50 Telefonanrufen, Meckern übers Internet, Gurr Gurr-Beschwerden und so weiter mal kurz Zeit hatte, hab ich die Emails gecheckt. Habe noch eine Email von Dienstag (! man bedenke, hier war heute schon Donnerstag) gefunden, die nicht bearbeitet wurde.

Das ganze Büro ist außerdem so vollgestellt, dass man sich kaum bewegen kann.

Zwischendrin kam Aoife (aus Irland) vorbei und hat mich einfach mal grob beleidigt, weil ich ihr kein Schlüssel gegeben hab (sie sah es nicht ein $5 Schlüsselpfand zu zahlen).

Als ich bei Zimmer 212 vorbeikam, fiel mir der penetrante Haschischgeruch auf. Klopf, klopf und verwarnt.

Dann kam mal wieder eine Beschwerde zur Abwechslung. Jemand in einem Einzelzimmer aus dem 3. Stock hat sich 5 Minuten über den Zustand der Toiletten und der kleinen Küche oben im Flur ausgelassen. Vollkommen zu Recht! Von seinen gebuchten 7 Tagen bleibt er nur noch diese Nacht und will das Geld zurück. Ja, sehr gern. Dabei ist unsere Putztruppe doch gerade erst seit dem Wochenende da und hat einen guten Job gemacht, dachten wir. Allerdings kamen noch zwei andere Gäste dazu, die die Vorwürfe bestätigten. Ein Blick in den 3. Stock zeigte ein mäßig schlimmes Badezimmer (aber ich glaube, meine Ansprüche sind schon jenseits von Gut und Böse), aber furchtbare Küchen. Es stank bis auf den Flur. Vor drei Tagen hab ich denen das schon auf die To Do Liste geschrieben. Offensichtlich vergebens.

Zwischendrin noch ein paar Tipps für gute Restaurants abgegeben. Ich hatte auch Positives heute! Die Gäste kamen zurück und haben sich bedankt, es hat ihnen sehr gefallen. The Craftsmen, so heißt der Laden. Hat donnerstags Burger zum halben Preis. Yum!

Ebenfalls zwischendrin noch zig Anfragen, ob wir noch Betten frei hätten. Ob ich nicht in Nelson anrufen kann, um für ein paar Leute etwas zu buchen.Sie sprechen ja nicht so gut Englisch. Haben wir noch Spüli? Der Süßigkeitenautomat geht nicht. Kann ich Xbox spielen? Es fehlt eine Billardkugel. Kann ich meinen Laptop an der Rezeption lassen?Es gibt kein Schließfach im Zimmer??… usw. usw.

Dann kam 109 und meinte, das Licht geht nicht. Wo sind denn die Glühbirnen hin? Der Putztrupp hat sie vom bisherigen Lagerplatz weggeräumt. Eine SMS an Marissa bringt mich weiter. Dann geh ich ins Zimmer, um sie auszutauschen, aber, oh Wunder, die Lampe ist kaputt, und die Fassung dreht sich mit. Zum Glück entdecke ich eine zweite Lampe, mit seperatem Lichtschalter, die noch funktioniert. Gäste froh. Rezeptionist verärgert. Hätten sie ja auch vorher mal gucken können. Aber wie eigentlich? War ja dunkel… Nichts für ungut, sorry!

Was noch? Es war so gegen 22 Uhr als sich fast schon ein Mob aus älteren Gästen vor der Rezeption versammelte und lautstark gegen Gurr Gurr protestierte. Ich hab ihnen ehrlich gesagt, dass ich es nur für ca. 10 Minuten reparieren kann. Verzweiflung und Wut machte sich breit.

Auftritt Nightmanager!

Mein Held! Ich zeigte ihm den Tank auf dem Dach, und er schrie sofort in seinem indischen Akzent “I can fix it!!”. Er hatte das Problem übrigens auch schon gestern Nacht bemerkt, und mit Beschwerden zu kämpfen. Da kannte er die Ursache allerdings noch nicht. Wie er das Problem gelöst hat, verschweige ich an dieser Stelle. Es war nämlich ultrasimpel, und es ist mir peinlich, dass ich nicht selber drauf kam. Zwar kommt durch seine Lösung in naher Zukunft ein anderes Problem auf uns zu, aber wer weiß? Vielleicht war dann der Klempner schon da… Hust hust.

So! Meute besänftigt und ins Bett gebracht. Schicht fast vorbei. Abrechnung gemacht. Nur $2 im Minus (sensationell bei so einer Schicht). Eigentlich kann ich nun ins Bett gehen. Wenn mir der Nachtmanager nicht gesagt hätte, dass er Snoop Dogg aus dem Haschzimmer 212 gestern beim Dealen erwischt hat. Irgendwo gibt es dann doch Grenzen, und ich habe ihm gesagt, dass er morgen auszuziehen hat. Hat er auch relativ zügig akzeptiert. Sein Zimmerkumpane hat noch einen Tag mehr, dann wird er auch nicht mehr verlängert. Hat heute nämlich auch schon arg nach Hasch gestunken. Wir müssen einfach härter durchgreifen. Ich schmeiß jetzt alle sofort raus, die ich erwische. Egal, wie nachgiebig das Management eventuell wäre.

So, nun ist Schluss für heute. Das war eine etwas schlimmere Schicht als sonst, aber wirklich nicht viel.

(Gerade beim Korrekturlesen passiert draußen noch etwas Nerviges. Eine Gruppe Betrunkener geht gröhlend die Straße entlang. Ich denke an die älteren Herrschaften mit dem leichten Schlaf. Uiuiui, armer Nachtmanager.)